Rüdiger Safranski, Philosoph, Schriftsteller und vielfach preis-gekrönter Autor, wird Anfang November die letzten der „Reden über den Humanismus“ halten. Er wird in diesem Rahmen 3 Vorlesungen am 2., 3. und 5. November halten, die jeweils um 18:30 im Aalto-Theater in Essen stattfinden werden. In diesen, dem Thema „Mensch und Zeit“ gewidmeten Vorträgen, wird sich Safranski dem diffizilen Wechselspiel zwischen dem Menschen und der Zeit zuwenden. Einen kurzen Überblick über den Inahlt der Reden finden Sie
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In Rahmen der Vortragsreihe „Humanismus im Dialog“ am KWI stellte Botschafterin Heidrun Tempel, Sonderbeauftragte des Auswärtigen Amtes für den Dialog zwischen den Kulturen, eine Reihe von nachhaltigen Projekten vor, mit denen die deutsche auswärtige Kulturpolitik zum kulturellen Austausch, Abbau von Vorurteilen und Verständnis für verschiedene Kulturen beitragen möchte. Der Vortrag wurde von Prof. Dr. Jürgen Straub moderiert.
Tempel sprach über das weltweite wachsende Bewusstsein für andere Kulturen. Ereignisse der letzten Jahre sensibilisierten die politische Arbeit und führten zur stärkeren Wahrnehmung nicht nur der islamischen Welt, sondern auch anderer östlicher und fernöstlicher Kulturen. Mit der Annahme, dass jedes politische Ereignis globale Konsequenzen hat und die Politik im Wandel solche Ereignisse nicht mehr dem Zufall überlassen will, soll der „ Dialog der Kulturen“ dazu beitragen, Stereotypen und Feindbilder abzubauen.
In seinem Kommentar wies Prof. Dr. Jörn Rüsen, der Leiter des Humanismus-Projekts, darauf hin, dass Politik sich verändert. Kultur ist in diesem fundamentalen Strukturwandel zentrales Medium und Mittel der Politik geworden. Dabei begibt sich Politik auf die Suche nach den universellen Prinzipien interkultureller Orientierung mit dem Ziel, den Konsens zwischen den Kulturen zu ergründen.
Diese komplexe Fragestellung beschäftigt Philosophen, Theologen, Menschen in politischer Verantwortung seit Anbeginn der Zivilisationsgeschichte. Sie soll im Kontext dieser Veranstaltung aktuell und Blick auf die Zukunft im Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen hierzulande und weltweit behandelt werden. Was kann Politik dazu beitragen, das Verständnis der unterschiedlichen Kulturen zu fördern, Stereotype und Vorurteile wahrzunehmen, zu bearbeiten und idealerweise zu überwinden? Wie wirkungsvoll sind Dialogforen im nationalen und internationalen Rahmen? Was sind die Rahmenbedingungen, damit Dialog zur friedlichen Koexistenz beiträgt? Diese Fragen wird die Sonderbeauftragte für den Dialog zwischen den Kulturen des Auswärtigen Amtes, Berlin, Frau Botschafterin Heidrun Tempel, aufgreifen und exemplarisch Überlegungen und Instrumente vorstellen, die für die Außenpolitik Deutschlands in diesem Bereich leitend sind. Ihr Vortrag beginnt am 14. September um 18:15 Uhr im KWI und wird kommentiert von
Aladdin Sarhan, dem wissenschaftlichen Koordinator des Humanismus-Projekts.
In seinem Vortrag am Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) Essen sprach der prominente Islamwissenschaftler und Senior Fellow der Berliner Stiftung für
Wissenschaft und Politik (SWP) Dr. Guido Steinberg über das Thema "Militanzdebatten - Jihadistische Organisationen und die Gewaltfrage". Der Vortrag fand am 31. August 2009 im Rahmen der Diskussionsreihe "Humanismus im Dialog" statt und wurde von
Aladdin Sarhan, dem wissenschaftlichen Koordinator des Humanismus-Projekts, kommentiert.
Zu Beginn verdeutlichte Prof. Dr.
Jörn Rüsen, Leiter des Humanismus-Projekts und Moderator der Veranstaltung, den Zusammenhang zum Thema Humanismus. Dabei betonte er die Notwendigkeit eines besonderen Fingerspitzengefühls im Umgang mit dem Fremdem. Dieses spiele bei allen Fragen des interkulturellen Humanismus eine zentrale Rolle. Die von Steinberg betriebene Forschung sei ein Beispiel dafür.
Steinberg, der bis 2005 als Terrorismusreferent im Bundeskanzleramt tätig war, zeigte am Anfang seines Vortrags die Fehler des Westens im Umgang mit den Herausforderungen des islamistischen Terrorismus auf. Für Steinberg ist der Irak-Krieg ein paradigmatisches Beispiel für solche Fehler. Ferner stellte er eine Typologie jihadistischer Bewegungen auf, mit deren Hilfe er die unterschiedlichen Strömungen zu klassifizieren versuchte. Er unterteilte diese in drei Gruppen: 1. "Nationalistische Revolutionäre", welche das hiesige Regime bekämpfen, um im eigenen Land Einfluss zu erlangen und die vorherrschenden politischen Strukturen umzuwerfen; 2. "Klassische Internationalisten", welche Nicht-Muslime bekämpfen, die muslimisches Territorium besetzen, z.B. Irak, Afghanistan; 3. "Globale Jihadisten", die eine Symbiose aus den beiden Gruppen darstellen.
Im nächsten Schritt stellte Steinberg den jeweiligen Strömungen angepasste Bekämpfungsmaßnahmen vor. Allgemein lässt sich sagen, dass man sich bei der Verbündung mit Regierungen, die sich im Kampf gegen Jihadisten befinden, stets einer Gefahr aussetzt. So könne es geschehen, dass man durch die Unterstützung autoritärer Regime zur Internationalisierung des Terrors beitrage, da man dem "nahen Feind" noch einen "fernen" hinzustelle, somit aus einem eigentlich nationalen Konflikt einen internationalen mache. Sinnvoller sei es, durch diplomatische Mittel eine Wende in diesen autoritär regierten Staaten beizutragen, um somit die Ursache für die Gewaltbereitschaft der "Nationalistischen Revolutionäre" zu beseitigen. Es gelte ferner, die "Sprengkraft" der "Klassischen Nationalisten" nicht zu unterschätzen und im Umgang mit den "Internationalen Jihadisten" die eigentlichen Terroristen klar von ihren Sympathisanten zu trennen. In jedem Fall müsse von "Überreaktionen" - wie z.B. dem Irak-Krieg - abgesehen werden.
In seinem Kommentar , schloss sich Aladdin Sarhan der allgemeinen Einschätzung Steinbergs an. Er wies darauf hin, dass es nicht genüge den Jihadismus oder Islamismus als totalitäre Ideologie abzutun, oder als fehlgeleitete Politisierung einer Religion zu stigmatisieren, da die Vielschichtigkeit des Problems dadurch aus dem Blick gerate. Er setzte sich für einen interdisziplinären Ansatz bei der Auseinandersetzung mit dieser Herausforderung und zur Bekämpfung des jihadistischen Terrorismus ein - ernsthafte sozialpsychologisch-islamwissenschaftliche Studien zu diesem Phänomen fehlten nämlich bislang.
In der deutschen Öffentlichkeit überwiegt die Vorstellung, dass wir es mit einer globalen jihadistischen Bewegung zu tun haben, die in erster Linie den Westen bekämpft - die Wirklichkeit ist jedoch komplexer. Jihadisten bekämpfen sehr unterschiedliche Staaten, religiöse und ethnische Gruppen. Wer al-Qaida und Co. effektiv bekämpfen will – und mehr noch, wer politische Lösungen für die dem Terrorismus zugrundeliegenden Probleme sucht – muss sich der Zielsetzungen, Strategien und Vorgehensweisen militanter Islamisten bewusst sein und die eigene Politik dieser Analyse anpassen. Der Islamwissenschaftler und ehemalige Terrorismusreferent des Bundeskanzleramts, Guido Steinberg, stellt in seinem Vortrag eine Typologie islamistischer und jihadistischer Gruppen vor.
Im Wochenschau Verlag ist das Buch "Interkultureller Humanismus" erschienen, herausgegeben von Prof. Dr. Jörn Rüsen, dem Leiter des Humanismus-Projekts, und Dr. Henner Laass, freier Mitarbeiter am Humanismus-Prokjekt. Der Band eröffnet erstmals eine interkulturelle Perspektive auf den Humanismus als Antwort auf die aktuellen kulturellen Orientierungsprobleme im Globalisierungsprozess, ganz im Geiste des Humanismus-Projekts. Die Texte der einzelnen Autoren sind in drei Teile untegliedert: 1. Regionen - hier werden die unterschiedlichen humanistischen Traditionen und Implikationen der wichtigsten kulturellen Strömungen in den Blick genommen; 2. Sachgebiete - dieser Teil befasst sich mit dem möglichen Beitrag des Humanismus zur Beantwortung wichtiger Fragen der Gegenwart in den Bereichen Politik, Umwelt, Wirtschaft und Bildung; 3. Ausblick - zum Schluss findet sich ein Ausblick auf mögliche Zukunftsperspektiven des interkulturellen Humanismus.
Der Band wird zu einem Preis von € 19,80 verfügbar sein. Nähere Informationen dazu finden Sie auf der
Verlagshomepage.
Wie bereits angekündigt, fand am 29. Juni am KWI der Vortrag von Frau Prof. Dr. Renate Würsch im Rahmen der Diskussionsreihe "Humanismus im Dialog" statt mit dem Titel "Humanismus und Mystik - Inspirationen des Islam". Im Laufe ihres Vortrags zeigte Frau Würsch (hier im Bild mit
Jonathan Kriener, der den Kommentar zur Veranstaltung führte), dass sich etablierte Vorstellungen von Humanismus gut mit der mystischen Tradition des islamischen Sufismus in Einklang bringen lassen - die Vorstellung eines ausschließlich auf westlichen Traditionen beruhenden Humanismusbegriffs wurde damit also entkräftet. Werte wie die Verantwortung gegenüber anderen haben beispielsweise auch im Sufismus ihren Platz.
Die Moderation zu diesem Vortrag übernahm
Prof. Dr. Jörn Rüsen, der Leiter des Humanismus-Projekts.
Auf Einladung des Fördervereins des KWI referierte Dr. Carmen Meinert, Research Fellow am KWI und Koordinatorin des Humanismus-Projekts, über den Umgang Chinas mit dem "Anderen" und dem "Fremden", mit denen die alte Kultur im laufe ihrer Geschichte in Kontakt getreten ist. Anlässlich des 50. Jahrestages der Besetzung Tibets durch die V.R. China, führte Meinert in ihrem Vortrag anschaulich durch die politische Kultur Chinas und verdeutlichte, wie der aktuelle Konflikt seine ihn prägenden kulturellen Grundannahmen bereits vor vielen hunderten von Jahren entwickelt habe. Auch die hohen menschlichen Verluste, die in den vergangenen Konflikten innerhalb Chinas erfolgten, lassen den aktuellen Konflikt in einem anderen Kontext erscheinen, ohne ihm damit jedoch seine konkrete Relevanz zu nehmen.
Meinert schöpfte bei ihren Ausführungen auch aus den Erfahrungen, die sie während insgesamt vierjährigen Forschungsaufenhalten und -reisen sammeln konnte.
Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine engagierte und lebhaft Diskussion, bei der die bedeutende Stellung, die dieses Thema in Deutschland einnimmt, einmal mehr verdeutlicht wurde.
Der Förderverein wird auch in Zukunft weitere Veranstaltungen am KWI fördern und unterstützen.
Am 29. Juni wird Frau Prof. Dr. Renate Würsch vom orientalischen Seminar der Universität Basel einen Beitrag zur Diskussionsreihe "Humanismus im Dialog" des Humanismus-Projekts leisten. Sie wird sich dabei der islamischen Mystik, dem sog. Sufismus, zuwenden mit der Frage, inwiefern dieser "humanistische" Gedanken und Vorstellungen beinhaltet.
Die Anhänger des Sufismus werden als Sufi (arabisch: صُوفِيّ, Ṣūfī) oder auch als Derwisch (persisch: درویش darwīsch) bezeichnet. Sie zeichnen sich aus durch eine Abwendung vom Weltlichen und eine Hinwendung bzw. "Liebe" zu Gott. Der esoterische Pfad den sie dabei beschreiten steht in der Regel in engem Zusammenhang mit der islamischen Tradition, kann jedoch bisweilen auch von dieser abweichen.
Frau Prof. Dr. Würsch verfasste ihre Dissertation zu "Avicennas Bearbeitungen der aristotelischen Rhetorik" und ihre derzeitigen Forschungsschwerpunkte sind Islamische Philosophie, Arabische Rhetorik, Persische Literatur, kulturvergleichende Erforschung literarischer Motive sowie Handschriftenkunde. Den Kommentar übernimmt
Jonathan Kriener, Stipendiat im Graduiertenkolleg des Humanismus-Projekts. Näheres zu Zeit und Ort der Veranstaltung finden Sie
hier.
Arthur Assis, der Mitglied des Graduiertenkollegs des Humanismus-Projekts war, steht bereits kurz nach seiner Rückkehr nach Brasilien vor der Berufung zum "Professor Adjunto" für Theorie und Methodologie der Geschichte an die Universität Brasília. Diese Stelle lässt sich über der einer deutschen Juniorprofessur einordnen.
Während seiner Zeit als assoziiertes Mitglied des Graduiertenkollegs hatte Arthur Assis seine Dissertation mit dem Titel "Zu den kulturellen Funktionen der Geschichtswissenschaft bei J. G. Droysen" verfasst und wurde dabei von Prof. Dr. Jörn Rüsen, dem Leiter des Humanismus-Projekts, betreut. In dieser Arbeit behandelt er Droysens Bestimmung der Funktionen der Geschichtswissenschaft. Er hatte sich bereits in früheren Publikationen mit Fragen der neuen Historiographiegeschichte sowie der Geschichtstheorie beschäftigt und diese Themen bildeten auch seinen Forschungsschwerpunkt. Er wird daher mit Sicherheit eine Bereicherung für die Abteilung Geschichte des humanwissenschaftlichen Instituts an der Universität Brasília darstellen. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte seines Dissertationsthemas wird Assis auch im Rahmen des vom Graduiertenkolleg herausgegebenen Sammelbandes „
Humanismus Polyphon“ in Form eines Aufsatzes veröffentlichen. Als Post-Doktorand befasste er sich ferner mit dem Thema "Grund- und Menschenrechte in den Politik-Vorlesungen der deutschen Historiker im 19. Jahrhundert: Humanismus zwischen Historisierung und Nationalisierung".
Das Humanismus-Projekt wünscht ihm alles Gute für diesen wichtigen Schritt in seiner akademischen Laufbahn, sowie für seinen weiteren Lebensweg.
Muitos parabéns, Herr Professor!
Im Rahmen der Vortragsreihe „Humanismus im Dialog“ referierte am 27. April der Bochumer Islamwissenschaftler Stefan Reichmuth (Foto rechts: KWI) über den islamischen Gelehrten Murtada az- Zabidi, der das erste umfassende arabische Lexikon überhaupt, das unter dem Titel "Die Krone der Braut" weite Verbreitung fand, herausgegeben hat. Dieses gilt bis heute als eine umfassende religionswissenschaftliche Enzyklopädie. Reichmuth beschrieb in seinem Vortrag das Leben dieses vielgereisten Mannes als eine ganz eigene Variation humanistischen Denkens und Handelns. Denn az-Zabidi zeichnete sich durch seine offenen und liberalen - eben auch: humanistischen - Interpretationen des Islam aus.
Der Leiter des Humanismus-Projekts, Jörn Rüsen, betonte die besondere Bedeutung dieser historischen Figur für das Projekt. An Reichmuths Interpretation sei der heuristische Ansatz wegweisend. Er geht nicht von einem fixen wohl definierten Humanismusbegriff aus, sondern identifiziert einzelne, für humanistisches Denken wichtige Elemente und rekonstruiert seine historisch jeweils signifikanten Konstellationen; Diese lassen sich dann interkulturell, aber auch intrakulturell-historisch vergleichen.
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Marcel Siepmann, Mai 2009.
Gemeinsam mit dem
Goethe-Institut Ägypten veranstaltete das von der
Stiftung Mercator geförderte KWI-Projekt „Humanismus in der Epoche der Globalisierung“ vom 6. bis zum 8. April 2009 das Internationale Symposium “Humanism in Islam - An Intercultural Discourse”. An dieser Veranstaltung, die in der
Bibliotheca Alexandrina stattfand, nahmen ausgewiesene WissenschaftlerInnen aus Ägypten, Deutschland, Indien, Me
xiko, Niederlanden und Taiwan teil (auf dem Foto links: der Leiter des Humanismus-Projekts,
Jörn Rüsen, rechts daneben
Ilse Lenz, Bochum und
Oliver Kozlarek, Mexico). Eines der wichtigsten Ziele des Humanismus-Projekts, die kulturellen Unterscheide in der Auffassung vom Menschsein des Menschen, scharf herauszuarbeiten sowie die Möglichkeiten eines kulturübergreifenden Humanismus zu erkunden, wurde erreicht. An Gegensätzen und Kontroversen hat es nicht gefehlt, und eben deshalb waren die erzielten Übereinstimmungen in der Analyse der Problemlage im Verhältnis zwischen den islamischen Ländern und dem Westen so wertvoll.
Selten wurde die Vitalität der Religion in den gegenwärtigen Konflikten deutlicher angesprochen als in den Debatten der muslimischen TeilnehmerInnen mit den VertreterInnen säkularer Kulturen – aber auch untereinander. Mit entschiedenem Selbstbewusstsein haben die muslimischen TeilnehmerInnen ihre religiöse Tradition gegenüber der kulturellen Dominanz des Westens zur Geltung gebracht. Umgekehrt haben die nicht-muslimischen TeilnerhmerInnen eindrucksvoll ihre Bereitschaft signalisiert, sich auf diese Unterschiede einzulassen und sie verständlich zu machen.
Angesicht der dabei zutage tretenden Gegensätze war es für die gesamt Debatte außerordentlich wichtig, dass chinesische, indische und lateinamerikanische Perspektiven des Humanismus eingebracht wurden. Damit rückte die Debatte aus der üblichen fatalen Enge eines vertrackten Ost-West-Gegensatzes heraus und gewann eine wahrhaft interkulturelle Dimension. Selbstverständlich gab es keine Patentlösung der Konflikte. Wohl aber eine Verständigung, dass es ein grundlegendes, alle kulturellen Differenzen überschreitendes Gesicht der Menschlichkeit gibt.
Ein besonderes Profil gewann die Veranstaltung durch die Teilnahme von Ibrahim Abouleish (Trägers des alternativen Nobelpreises und Gründer des
SEKEM-Projekts in Ägypten), Heidrun Tempel (Beauftragte des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland für den Dialog der Kulturen), Mohamed Shehat El-Gundi (Generalsekretär des Supreme Council for Islamic Affairs) und durch die Teilnahme des prominenten muslimischen Public Intellectuell Gamal Al-Banna
Im Anschluss an die Tagung reisten der Leiter des Humanismus-Projekts, Jörn Rüsen, zusammen mit TeilnehmerInnen des Symposiums nach SEKEM, um sich von dem Gründer Ibrahim Abouleish die Einrichtungen zeigen und erklären zu lassen. (Einen Bericht mit Fotos finden Sie
hier).
Pressestimmen
Marcel Siepmann, Essen 14. April 2009
Das Symposium wird in Zusammenarbeit mit der Bibliotheca Alexandrina, dem Goethe-Institut Alexandria und dem Projekt „Humanismus in der Epoche der Globalisierung – Ein interkultureller Dialog über Menschheit, Kultur und Werte“ des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) Essen veranstaltet. Alle drei Institute stimmen darin überein, dass ein lebendiger interkultureller Humanismus eine essentielle Bedeutung im Prozess der kulturellen Orientierung in der Globalisierung hat. Es geht darum, ein Verständnis von Menschheit in der Epoche der Globalisierung zu entwickeln, das alle Kulturen umfasst und gleichzeitig ihre jeweiligen Unterschiede und Verschiedenartigkeiten hervorhebt.
Es ist höchste Zeit, einen Dialog zwischen westlichen und nicht-westlichen Kulturen zu beginnen, der ihre Differenzen und Gemeinsamkeiten zugleich betont, so dass kulturelle Konfrontationen vermieden und neue Erkenntnisse und Wege wechselseitiger Anerkennens entwickelt und dargestellt werden können.
Das Symposium wird zu diesem Dialog beitragen, indem die Traditionen derjenigen Länder thematisiert werden, die stark vom Islam geprägt wurden. Sie wird die Besonderheiten des Humanismus im Kontext dieser Traditionen diskutieren und die aktuelle Bedeutung für das Leben der dortigen Menschen. Sie bringt den islamischen Humanismus in ein diskursives Verhältnis mit anderen humanistischen Traditionen, vor allem, aber nicht nur denen des Westens. Dabei geht sie auch auf die heftig geführte Debatte über die Wechselwirkung von Religion und Säkularismus und ihre Bedeutung für einen modernen Humanismus ein. Die Ansichten des Mittleren Ostens und des Westens werden in einer vergleichenden Perspektive der Kritik und der Anerkennung zusammengebracht.
Programm,
Neuigkeiten
Weitere Informationen auf
www.kwi-humanismus.de
Fragen und Anmeldungen bitte per E-Mail an Aladdin Sarhan, Wissenschaftlicher Koordinator des Humanismus-Projekts am KWI:
aladdin.sarhan@kwi-nrw.de
Marcel Siepmann, März 2009
Die Geschichte des Jihad ist religionswissenschaftlich eine Geschichte der Missverständnisse und Deutungen.
Aladdin Sarhan vollzog in seinem Vortrag am Kulturwissenschaftlichen Institut, einen historischen Abriss dieses Diskurses und veranschaulichte diesen anhand historisch-biographischer Fallbeispiele. Der Vortrag war eine Veranstaltung des
Vereins zur Förderung des Kulturwissenschaftlichen Instituts. Neben dem Direktor des Instituts,
Claus Leggewie, war auch der Leiter des Humanismus-Projekts,
Jörn Rüsen, an der anschließenden Diskussion beteiligt. Moderiert wurde der Vortrag von
Imke Schmidt (auf dem Foto rechts neben Sarhan), die am KWI-Projekt "Konsumentenverantwortung" mitarbeitet. Sarhan studierte Orientalische Philologie und Islamwissenschaften mit sozialwissenschaftlichem Ergänzungsbereich an der Ruhr-Universität Bochum und verfasste seine Abschlussarbeit zu dem Thema "Vom Eifer auf dem Weg Gottes zum Mord im Namen Gottes - Paradigmenwandel der Jihad-Konzeption". In der anschließenden Diskussion betonte Leggewie, dass es darum ginge, zum einen historische Wahrheiten anzuerkennen und dass es wenig ergiebig sei, Religionen als Phänomene ohne Kontexte zu betrachten. Imke Schmidt wies in diesem Zusammenhang auf die bisweilen noch offene Debatte hin, die es in Zukunft mit Inhalten zu füllen und zu führen gelte und zu deren Anfang nicht zuletzt diese Veranstaltung einen Beitrag leisten konnte.
Marcel Siepmann, 10.03.2009
Wie sieht der chinesische Humanismus eigentlich aus und was hat er mit uns, dem Westen zu tun? Dieser Frage ging die Kieler Sinologin von der Christian
Albrechts
Universität am 16. Februar 2009 nach und diskutierte im Anschluss mit dem Leiter des Humanismus-Projekts,
Jörn Rüsen (Foto: links zusammen), und dem Mitglied des Graduiertenkollegs,
Caroline Glöckner, kontrovers über Fragen universeller Vorstellungen von Menschlichkeit. Am darauf folgenden Tag wechselte das Projekt vom Institutsgelände des
KWI in die gut gefüllte Aula des Essener
Burggymnasiums und veranstaltete nach einem weiteren Vortrag Messners eine engagierte Diskussion mit den SchülerInnen, die sowohl an die Vortragende als auch an Jörn Rüsen Fragen und Anregungen richteten und in einen lebhaften Dialog eintraten. Der Vortrag fand im Rahmen der Reihe „Humanismus im Dialog“ statt, die seit Oktober 2008 in regelmäßigen Abständen stattfindet und sich am 27 April (18.15 Uhr) mit dem Bochumer Islamwissenschaftler Stefan Reichmuth (Ruhr-Universität Bochum) dem Islam zuwenden wird. Thema wird dann sein: der „Humanismus im Islam - der Fall Murtada az-Zabidi“.
Marcel Siepmann, 17.02.2009
In Zusammenarbeit mit dem
Zentrum für Buddhismuskunde am Asien-Afrika-Institut der Universität Hamburg, fand unter dem Motto "Humanismus und Menschenrechte" - „Theorien-Praxis-Perspektiven“, ein zweitägiges Symposium statt (hier zum
Flyer), das in Co-Regie mit dem Humanismus-Projekt zahlreiche internationale Wissenschaftler für sich gewinnen konnte. Neben der Koordinatorin des Projekts,
Carmen Meinert (auf dem Foto die 5. von links), referierten Helwig Schmidt-Glintzer (Wolfenbüttel), Ines Kämpfer (Shanghai), Louis Gabaude (Chiang Mai), Patrick French (London) u.a. zu den verschiedenen Perspektiven eines chinesischen Humanismus im Kontext der Debatte um die Menschenrechte in China und Tibet. Die aus diesem Symposium hervorgegangenen Ergebnisse werden noch in diesem Jahr in einem von Meinert und
Hans-Bernd Zöllner herausgegebenen Band, unter dem Titel „Buddhist Approaches to Human Rights“, im
transcript-Verlag erscheinen. Dieser Band wird Teil der von transcript veröffentlichten Buch-Reihe des Humanismus-Projekts „Der Mensch im Netz der Kulturen – Caught in the Net of Cultures“ sein.
Marcel Siepmann, November 2008
Die internationale Konferenz des Humanismus-Projekts am KWI fand unter der Leitung von Surendra Munshi (
Institute of Management, Kalkutta, Jörn Rüsen (
KWI, auf dem Foto links zusammen mit Munshi (Foto:privat)) und Reimar Volker (
Goethe-Institut Kalkutta) statt. Die namhaften Wissenschaftler der Veranstaltung diskutierten über Unterschiede und Gemeinsamkeiten eines humanistischen Denkens in den westlichen und fernöstlichen Denktraditionen. Stattgefunden hat die Konferenz im Max Mueller Bhavan in Kolkata und unterstrich die Internationalität des Projekts.
Teilnehmer waren unter anderen Christoph Antweiler (Bonn University), Mohit Chakrabarti (Visva-Bharati University, Shantiniketan), Georg Essen (Raboud University, Nijmegen), Gopalkrishna Ghandi (Gouverneur of the Indian department West-Bengal; inquired), Meenakshi Hanna (Indraprastha College, New-Delhi), Ramendra Nath (Patna College, Patna), Susmita Pande (Vikram Universität, Ujjain) et al.
Die von der
Stiftung Mercator mitfinanzierte Konferenz hatte das Anliegen, einen Überblick darüber zu geben, auf welchem Stand sich die Geisteswissenschaft hinsichtlich dieser Themenkomplexe befindet. “Globalgeschichte” dürfe nicht bloß eine Floskel und erst recht nicht das eurozentrische „Sicheinverleiben“ des „Anderen“ sein, galt als eine Grundannahme dieser Tagung. Gleichzeitig dürfe sie sich aber auch nicht in einem relativistischen „Alle Völker sind gleich“ –Gerede verfangen, wie es David S. Landes in seinem Buch „
Wohlstand und Armut der Nationen“ vor einigen Jahren kritisierte. Letztlich blieb eine im selben Buch gestellte Frage des Wirtschaftshistoriker Landes auch auf dieser Tagung unbeantwortet: „Doch wenn die Kultur so wichtig ist, warum funktioniert sie dann so unzuverlässig?“ Zumindest eine Annäherung an eine Antwort darauf, wurde von den Teilnehmern erörtert. Eine Publikation der Tagung soll folgen.
Marcel Siepmann, Dezember 2008.
Magdalena Schaeffer, 25.08.08| M | D | M | D | F | S | S |
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