Chih-hung Chen

Kollegiat Chih-hung Chen

Geschichte
Universität Witten/Herdecke

Der griechische Ursprung der europäischen Kultur: Bildungskonzept und europäisches Selbstverständnis bei J. G. Droysen und J. Burckhardt

Chih-hung Chen studierte Geschichte an der National Taiwan University, Taipeh, Taiwan. Zur Zeit promoviert er an der Universität Witten/Herdecke mit der Dissertation "Der griechische Ursprung der europäischen Kultur: Bildungskonzept und europäisches Selbstverständnis bei J.G. Droysen und J. Burckhardt". Seit April 2006 ist er assoziiertes Mitglied im Graduiertenkolleg des Humanismus-Projekts.


Dissertation

Der griechische Ursprung der europäischen Kultur: Bildungskonzept und europäisches Selbstverständnis bei J. G. Droysen und J. Burckhardt

Betreut von Prof. Dr. Jörn Rüsen (KWI)

Die Dissertation befasst sich mit dem Vergleich zwischen zwei Historiker des 19. Jahrhunderts, Johann Gustav Droysen und Jacob Burckhardt, mit dem Schwerpunkt Antikerezeption. Beim Vergleich werden die Vorstellung von europäischer Identität und die Bildungskonzept, die in deren Werken implizit oder explizit artikuliert werden, besonders berücksichtigt.

Das Griechentum wurde von den deutschen Humanisten und klassischen Philologen des 18. Jahrhunderts als der kulturelle Ursprung Europas angesehen und als die vollkommenste Bildung gepriesen. Dieses von den klassischen Philologen befürwortete Idealbild wird durch die Spezialisierung der Geschichtswissenschaft und die Entstehung des Historismus im 19. Jahrhundert zum Teil revidiert; anstatt der klassischen Idealisierung haben die Historiker das Griechentum durch geschichtliche Betrachtungsweisen dargestellt, als Folge wurde die europäische Identität auch andersartig formuliert.

Als paradigmatische Beispiele des veränderten Griechenbildes werden Johann Gustav Droysen und Jacob Burckhardt als Forschungsgegenstände ausgewählt. Trotz der klassischen philologischen Ausbildung während der Studienzeit haben die Beiden durch besondere Deutungen der Bedeutung des Griechentums für die abendländische Kultur zur Wissenschafts- und Kulturgeschichte beigetragen: Droysen durch die Entdeckung des Hellenismus; Burckhardt durch seine neuartige typologisierende und strukturgeschichtlich ausgerichtete »Griechische Culturgeschichte«.

Die beide Historiker sind einem Bildungskonzept verpflichtet, das kulturelle Kompetenz an historische Einsicht bindet. Zu dieser Kompetenz gehört die Einsicht in eine geschichtliche Erfahrung, die das Griechentum als Ursprung der europäischen Kultur so definiert, dass die für Droysen und Burckhardt gegenwärtige Ausprägung europäischer Identität im Zeitalter des Nationalismus durch besondere Weise an den griechischen Ursprung gebunden wird.

Das wichtigste Ziel dieser Dissertation ist eine Rekonstruktion des Bildungskonzepts, das dem Geschichtsdenken Droysens und Burckhardts inhärent ist, zu explizieren und seine geschichtskulturelle Funktion in der europäischen Identitätsbildung zu beleuchten, und darum werden die folgenden Fragen behandelt: Warum gilt das Griechentum als das Ende einer Epoche und der Anfang einer neuen? Ist das Griechentum ein Sonderfall in der Weltgeschichte, durch dessen Einmaligkeit die westliche Geschichte auf einen besonderen Wege entwickelt? Wo liegt die Grenze zwischen Europäer und Nicht-Europäer? Ein wichtiger Aspekt dieser Identitätsbildung ist die Art und Weise, wie die gegenwärtige Identität im Spannungsverhältnis zwischen Nationalstaat und europäischer Gemeinsamkeit auf den griechischen Ursprung Europas zurückbezogen und von ihm her erläutert wird. Damit soll hier die Rolle der 'Ursprünge' im Geschichtskonzept des Historismus insbesondere berücksichtigt werden.



gefördert durch:

Mercator Stiftung

Projektträger:

Kulturwissenschaftliches Institut NRW