2., 3. und 5. November 2009 (Beginn: 18:30, Ort: Aalto-Theater, Essen)
Die Zeit verstehen, bedeutet immer auch, sich selbst verstehen. Die Zivilisation mit ihren technischen Gegebenheiten formt und bewirtschaftet die Zeit. Sie bereichert unsere Vorstellungen von Zeit, kann aber auch den Zugang zu anderen Erfahrungen der Zeit verdecken. Die Tradition des Humanismus, die auf der Idee von Freiheit und Individualität beruht, kann dabei helfen, den Zugang zum schöpferischen Geheimnis der existentiellen Zeit wieder freizulegen.
1. Vorlesung: "Humanistische Kritik der bewirtschafteten und technisierten Zeit" (2. November 2009, Beginn: 18.30 Uhr)
Die technisierte Zeit hinterläßt tiefe Spuren in unserem Zeitverständnis. Es ist, als ließe sich der Zeitfluß beherrschen. Die neuen Speichermedien halten das Vergangene gegenwärtig und wiederholen das Einmalige. Die modernen Kommunikationsmedien ermöglichen zum ersten Mal die Erfahrung einer globalen Allgegenwart. Computertechnik programmiert die Zukunft. Alte Träume der Menschheit scheinen verwirklicht. Um welchen Preis?
2. Vorlesung: "Humanistische Kritik der beschleunigten Zeit " (3. November 2009, Beginn: 18.30 Uhr)
Der beschleunigte technische und soziale Wandel entwertet Lebenserfahrung, erzeugt Anpassungsdruck und die Angst, den Anschluß zu verpassen. Die Gesellschaft spaltet sich auf in Milieus der verschiedenen Geschwindigkeiten. Daraus entstehen Ungleichzeitigkeiten und neue soziale Konflikte. Was treibt die Beschleunigung an, hat sie ein Ziel oder ist sie Selbstzweck? Hat die Entschleunigung überhaupt eine Chance?
3. Vorlesung: "Humanistische Erhellung der existentiellen Zeit" (5. November 2009, Beginn: 18.30 Uhr)
Die mechanischen Zeit-Vorstellungen sind übermächtig und werden neuerdings durch Technik und Beschleunigung noch verstärkt. Es wäre wohl die Aufgabe einer humanistischen Reflexion, an die Stelle der Zeit der Uhren wieder die Zeit des Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. Dadurch würde der gegenwärtige Zeitdruck als existentieller Zeitverlust erkennbar. Was aber bedeutet dann die wiedergefundene Zeit? Ist sie, wie Bergson und Jaspers vermuten, nichts anderes als der offene Horizont schöpferischer Freiheit?
28. April, 5.-6. Mai 2008
Eine Vorlesungsreihe des Projekts „Der Humanismus in der Epoche der Globalisierung. Ein interkultureller Dialog über Menschheit, Kultur, und Werte“ mit dem Theologen Friedrich Wilhelm Graf im Aalto-Theater Essen
Schon immer ist in den großen monotheistischen Religionen über Humanismus, den Menschen und seine Rechte ganz kontrovers diskutiert worden. Speziell im protestantisch-theologischen Diskurs hat der Humanismus-Begriff seit dem 18. Jahrhundert hohe Aufmerksamkeit gefunden. Lässt sich vom Menschen, seiner Würde, seinen Rechten angemessen sprechen, ohne sich die symbolischen Ressourcen der großen Religionen anzueignen? Muss man von Gott reden, um sinnvoll vom Menschen reden zu können? Der Theologe Friedrich Wilhelm Graf geht diesen Fragen nach. In seinen drei Vorträgen nimmt Graf die uralten Kontroversen über das Bilderverbot der Hebräischen Bibel, des Alten Testaments der Christen, zum Anlass, die gängige Rede von den "Menschenbildern", etwa den gern beschworenen "christlichen", zu durchleuchten.
1. Vorlesung: "Du sollst Dir kein Bildnis machen" (28. April 2008, Beginn: 19.00 Uhr)
In den religiösen Traditionen der Menschheit war immer viel von Frieden, Heil und Erlösung die Rede. Religionen haben aber stets auch Konflikte verstärkt, gegeneinander Heilige Kriege geführt und die Begründungsmuster für blutige Konflikte geliefert. Bekanntlich tun sie dies auch heute noch. In der ersten Essener Rede über Religion und Humanismus geht es um religiöse Wandlungsprozesse in der Gegenwart. Warum wächst in vielen Teilen der Welt religiöse Verschiedenheit? Und warum fördert Religion so oft schroffe Abgrenzung? Auch wenn es traurig klingt: Religionen sind sehr häufig partikularistische, humanismusfeindliche Kräfte. Und diese harte Wirklichkeit muss man nüchtern zur Kenntnis nehmen.
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2. Vorlesung: Kein Menschenbild im Mittelpunkt (5. Mai 2008, Beginn: 19.00 Uhr)
In Religionen werden Bilder guten Lebens ebenso wie Deutungen radikal falscher Lebensführung transportiert und mit Gottesvorstellungen verknüpft. Ganz unterschiedliche Götter werden derzeit wieder empfohlen, Unterwerfung fordernde Kampfgötter sind darunter, aber auch weiche Kuschelgötter. Im Bilde Gottes portraitiert der Mensch allerdings immer auch sich selbst. Doch die beliebte Rede vom „Menschenbild“ ist alles andere als hilfreich. In der zweiten Essener Rede über Religion und Humanismus steht ein hart geführter Streit im Zentrum: der Konflikt um die Frage, wie der Mensch sich angemessen deuten soll. Die Kontroversen über den Personenbegriff werden ebenso behandelt wie aktuelle religiöse Bilderkämpfe.
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3. Vorlesung: Gegen die Inflation der Menschenwürde (6. Mai 2008, Beginn: 19.00 Uhr)
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, lautet Art. 1 Abs. 1 des Grundgesetzes. Doch ist die Würde bei den Rechtsgelehrten in Streit geraten. Aber auch in den Religionen werden höchst unterschiedliche Vorstellungen von der Würde des Menschen kommuniziert. Kein Wunder daher, dass sich in der Öffentlichkeit längst ein wahrlich inflationärer Gebrauch der Menschenwürde-Semantik beobachten lässt. Wem gar nichts mehr einfällt, der beschwört gern die Würde. Und das tut weder dem Begriff noch gar dem Menschen gut. In der dritten Essener Rede über Religion und Humanismus wird die inflationäre Entwertung der Würde kritisiert und zu einem schonenden Umgang mit diesem höchst fragilen Glaubenssymbol aufgerufen.
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8., 10. und 14. Mai 2007
Eine Vorlesungsreihe des Humanismuprojekts mit dem Publizisten und ehemaligen Kanzlerberater von Willy Brandt, Klaus Harpprecht, im Aalto-Theater Essen. Gibt es das: Politik als angewandte Menschlichkeit? Diese Frage bildet den Ausgangspunkt für die diesjährige Reihe. Klaus Harpprecht geht ihr in drei Vorträgen nach und formuliert drei Antworten: Demokratie, Europa, Freiheit.
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